Der 06.09.2026 - manche freuen sich jetzt schon auf dieses Datum, andere haben eher Angst davor. Und wer unter einem Stein lebt, fragt sich vermutlich gerade, wovon ich eigentlich rede.  

Wer in den letzten Wochen mit offenen Augen durch Magdeburg gefahren ist, wird bemerkt haben, dass einige Parteien schon jetzt in den Wahlkampf für die anstehenden Landtagswahlen starten. Einen besonders bleibenden - wenn auch nicht gerade positiven - Eindruck haben bei mir die Wahlplakate der AfD hinterlassen, die unter anderem mit einer besseren Bildung werben. 

Also dachte ich mir: 

Schauen wir doch mal nach, wie diese bessere Bildung eigentlich aussehen soll.  

In 33 Punkten erklärt die AfD in ihrem Regierungsprogramm, wie Bildung in Sachsen-Anhalt verändert werden soll. Und ich muss sagen: Ich war überrascht. Dass das deutsche Bildungssystem Probleme hat, muss ich hier vermutlich niemandem erzählen. Tatsächlich konnte ich vielen Punkten zustimmen oder sie zumindest nachvollziehen. 

Dennoch gibt es genauso viele Stellen, bei denen ich - gelinde gesagt Bauchschmerzen bekomme. 

So erklärt das Wahlprogramm zum Beispiel, das Problem sei, dass alle gleich gemacht würden, anstatt Kinder entsprechend ihrer Begabungen zu fördern. 

Der Gedanke der individuellen Förderung ist dabei zunächst gar nicht so abwegig. Förderklassen oder besondere Angebote können durchaus sinnvoll sein.  

Spannend wird allerdings die Begründung: 

„Deshalb ist die AfD aus Gründen der Humanität dafür, Kindern von vorerst nicht ausreisepflichtigen Flüchtlingen Schulunterricht zu erteilen. Dies sollte allerdings in Sonderklassen erfolgen. Erstens soll den Flüchtlingskindern so die Botschaft vermittelt werden, dass ihr Aufenthalt in Deutschland nur ein vorübergehender ist, solange die Flucht- und Verfolgungsgründe bestehen.  Zweitens sollen den Flüchtlingskindern Lehrinhalte ihrer heimischen Schulen vermittelt werden, um ihnen den Wiedereinstieg ins heimische Schulsystem zu erleichtern. Drittens gilt es, unsere Kinder von den vielfältigen Belastungen freizuhalten, die sich beim gemeinsamen Unterricht mit Kindern aus völlig fremden Kulturen ergeben. Die Lehrkräfte für diese Klassen sind deshalb, wenn möglich, auch aus dem Kreis der Flüchtlinge zu rekrutieren.” (Quelle: AfD Sachsen-Anhalt) 

Bitte was?  

Die Botschaft, "dass ihr Aufenthalt in Deutschland nur vorübergehender ist...", kommt an, wahrscheinlich sogar erst an zweiter Stelle.  Die erste lautet nämlich eher: "Ihr seid hier nicht willkommen." 

Ist es nicht eine der wichtigsten Aufgaben von Schule, Gemeinschaft zu schaffen und ein inklusives Miteinander zu fördern? 

Darauf liefert das Programm auch direkt eine Antwort: 

„Weder soziale und psychologische Betreuung noch Integration und Inklusion, sondern allein die Vermittlung von Kulturtechniken (Lesen, Schreiben, Rechnen) und Bildungsgütern ist Aufgabe der Schule.”  (Quelle: AfD Sachsen-Anhalt) 

Ach so. 

Dann habe ich vermutlich auch falsch verstanden, warum Schulen Geld für Schulsozialarbeiter ausgeben, Projekttage gegen Mobbing veranstalten oder überhaupt Klassenfahrten machen. Ein paar zusätzliche Arbeitsblätter hätten es offenbar auch getan.

Ich sehe das jedenfalls anders. Wer Kinder schon in der Schule voneinander trennt, kann dazu beitragen, nicht nur verschiedene Klassen, sondern langfristig auch verschiedene Gesellschaften. Wenn wir Begegnung verhindern, dürfen wir uns später nicht wundern, wenn Verständnis füreinander fehlt.

Aber gut – innerhalb des Programms ergibt diese Aussage zumindest eine gewisse innere Logik.

Weniger nachvollziehbar wurde es für mich dann hier:

„Die Schule muss den Kindern vielmehr die normale Familie bestehend aus Mann und Frau, aus der Kinder hervorgehen, als Vorbild vermitteln.” (Quelle: AfD Sachsen-Anhalt) 

Interessant. 

Eben war soziale Erziehung noch ausdrücklich nicht Aufgabe der Schule. Beim Familienbild scheint sie plötzlich wieder dazuzugehören.

Und viel wichtiger: Was ist denn bitte eine „normale Familie“? 

Tradition ist schließlich nicht gleich Normalität. Sonst müssten wir konsequenterweise auch wieder darüber diskutieren, ob Frauen ausschließlich für Haushalt und Kinder zuständig wären. 

Unsere Gesellschaft ist zu vielfältig, als dass sich eine einzige Familienform als „normal“ bezeichnen ließe. Wer das trotzdem tut, erklärt automatisch alle anderen Familienmodelle zu Ausnahmen - gewissermaßen unnormal. 

Ich könnte an dieser Stelle noch deutlich weiter ausholen. Ich glaube aber, mein Standpunkt ist inzwischen klar geworden. 

Ich wünsche mir Veränderungen im Bildungssystem. Wirklich. Aber gerade auf gesellschaftlicher und kultureller Ebene kann und will ich diesem Programm nicht zustimmen. 

Deshalb lade ich euch ein, das Regierungsprogramm selbst zu lesen. Nicht, weil ich glaube, dass ihr danach automatisch meiner Meinung seid, sondern weil Wahlplakate selten genug Platz für die entscheidenden Details haben. 

Schließlich bin ich inzwischen seit elf Jahren an dieser Schule und diese „soll [...] die Kinder politisch erziehen, was allzu oft in einer einseitigen Indoktrination gegen gesunden Patriotismus ausartet und bis hin zu offener Hetze gegen die AfD führt.” 

Auch wenn ich meine Meinung mehr als deutlich gemacht habe, soll euch dieser Kommentar am Ende kein Richtig oder Falsch vorschreiben. Das entscheidet ihr selbst.

Ich bitte euch nur um eins: 

Informiert euch! 

Reflektiert! 

Und fragt euch am Ende: Ist das wirklich das, was wir wollen? 


Kommentar von Clemens Pfeil